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Was ist Amateurfunk

Mit dieser stark vereinfachten Beschreibung wollen wir zeigen, was hinter dieser Tätigkeit steckt. Unter 'Amateurfunk', auch 'HAM Radio' genannt, versteht man an sich alles, was mit dem (technischen) Begriff 'Radio' zu tun hat, einschliesslich Empfangen anderer Amateurfunk-Stationen und Sendebetrieb mit den über der ganzen Erde verstreuten Anhängern unseres Hobbys. Obwohl es viele Amateure gibt, die sich ausschliesslich mit dem Empfang von Rundfunk-, Amateurfunk-, Wetterfunk- und anderen Sendungen beschäftigen, ist es doch das Ziel fast aller, auch selbst aktiv in's Geschehen einzugreifen. Um eine eigene Sendestation betreiben zu dürfen, ist eine eine Lizenz notwendig, die man nach Ablegen einer Prüfung bekommt, erwa vergleichbar mit der Fahrerlaubnis zum Führen eines Autos. Mit anderen Worten, zum Betreiben einer Sendestation braucht man einen entsprechenden Führerschein!  Der Sinn unseres Steckenpferdes besteht u.a. auch darin, diese Lizenznehmer im Selbstunterricht zu fördern, sie in der Praxis der diversen Funkverbindungen und deren Möglichkeiten zu unterstützen, und so eine noch engere Zusammenarbeit aller Nationalitäten herbeizuführen.

Mindestens 95% aller Ländern der Welt erlauben ihren Bürgern, diese Liebhaberei auszuüben, und alle haben eine dem Land entsprechende Genehmigungsmethode, die letztendlich zur Erteilung eines Rufzeichens (in etwa vergleichbar mit dem Kennzeichen eines Autos) an den Benutzer führt. Diese Rufzeichen beginnen z.B. bei uns in Deutschland mit dem Buchstaben "D", in England mit "G" und in den USA ist es "W", "N" oder "K" und so gibt es für jedes Land eindeutig zugewiesene Buchstaben- und Zahlenkombinationen, die es ermöglichen, den Ursprung einer Sendung zu erkennen.

Da elektromagnetische Wellen je nach Frequenz und Tages- bzw. Jahreszeit an der Jonosphäre reflektiert werden, sind Funkverbindungen weit über den Sichtbereich, und sogar rund um die Welt, möglich. Weil hier internationale Naturressourcen benutzt werden -- eben das Radiospektrum elektromagnetischer Felder -- ist auch unter Funkamateuren eine gewisse nationale und internationale Koordinierung notwendig. Jedes Land hat seinen eigenen Verein bzw. seine nationale Gesellschaft zur Vertretung ihrer Interessen. Die erste und älteste Vereinigung der Welt war das 'Wireless Institute of Australia' (WIA). Dieses Institut wurde bereits 1910 gegründet. In Deutschland ist es der 'Deutsche Amateur Radio Club' (DARC). Jeder Verein ist wiederum Mitglied der 1925 in Paris gegründeten 'International Amateur Radio Union' (IARU), die somit alle Funkamateure der Welt repräsentiert. Deren Aufgabe es u.a. ist, auf die Agenturen, die für das Regulieren und das Zuteilen der Frequenzen verantwortlich sind (in Deutschland die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post 'RegTP'), erfolgreich einzuwirken. Auf diesem internationalen Niveau arbeiten alle nationale Gesellschaften weltweit unter demokratischen Gesichtspunkten zusammen.

Eine der vielen Eigenschaften unseres Hobbys ist die Möglichkeit, selbst hergestellte Geräte, wie Empfänger, Sender, Antennen, Testgerät oder Übertragungssysteme zu benutzen. Dies ergibt ein weites Betätigungsfeld für den 'furchtlosen' Experimentator! Aber auch diejenigen, die in der Technik das Mittel zum Zweck sehen und sich hauptsächlich mit dem Aufbau von Funkverbindungen beschäftigen (dem sog. 'Funken'), gibt es ein breites Einsatzgebiet. Für die Informationsübertragung per Funk kommen Morsealphabet, Sprache, sowie Funkfernschreiben und langsame Bildübertragung zum Einsatz, aber auch Fernsehen und schnelle Datenübertragung sind beliebte Betriebsarten. Nicht nur terrestrische Kommunikationen, sondern auch Satellitenstrecken werden dafür verwendet! Und dann gibt es noch den OM (= Old Man, wie sich die Funkamateure selbst nennen), der Technik und Verbindungs-'Knowhow' einsetzt, um sich mit Gleichgesinnten in aller Welt zu unterhalten, um Erfahrungen auszutauschen, oder ganz einfach um neue Freunde zu finden.

Moderne computergesteuerte Übertragungsverfahren erlauben eine weltweite Datenübertragung auf Kurzwelle mit einer extrem geringen Leistung. Für Übertragungen über weite Strecken im UKW- bzw. Mikrowellen-Bereich stehen zahlreich Relais-Stationen an exponierter Stelle und zur Zeit ca. 40 Satelliten, die auf unterschiedlichen Bahnen die rde umkreisen, zur Verfügung. Alle diese Einrichtungen wurden ausschliesslich von Funkamateuren entwickelt, konstruiert, aufgebaut und in Betrieb genommen. Für die Koordinierung der Satelliten-Projekte wurde die 'Radio Amateur Satellite Corporation' (AMSAT) gegründet. Lediglich die Positionierung der Satelliten auf ihre Umlaufbahn wird mit Trägerraketen von Institutionen wie NASA, ESA, etc. durchgeführt. Die Satelliten der AMSAT dienen ausschliesslich dem Amateurfunk. Sie nutzen Frequenzen, die dem Amateurfunkdienst weltweit zugewiesen sind. Der Empfang auf diesen Frequenzen ist in den meisten Ländern allgemein genehmigt. Die Satelliten können in der Regel mit Funkgeräten im VHF-, UHF- und SHF-Bereich erreicht werden. Als Antennen eignen sich nachführbare Systeme, aber auch mit einfacheren Antennen lassen sich bereits interessante Verbindungen aufbauen bzw. empfangen.


 

Geschichte des Amateurfunk

Der deutsche Physiker Heinrich Hertz bestätigte 1880 bis 1887 durch zahlreiche Versuche die TheorienThomsons und Maxwells und schaffte so die Grundlage der drahtlosen Nachrichtenübertragung. Als deren Beginn gilt allgemein die erste Funkübertragung des  italienischen Ingenieurs Gugliemlo Marconi (Bild) im Jahre 1895 auf dem Landgut seines Vaters, wo er eine Entfernung von drei Kilometern überbrücken konnte. Durch seine Idee, eine Antenne zu verwenden, liess sich der Abstand zwischen Sender und Empfänger ganz erheblich vergrössern und bereits 1897 entstand die erste Funkstation auf der englischen Insel Wight, die mit der 22 km entfernten Küste arbeitete. Anfangs beschäftigten sich auschliesslich Wissenschaftler und Ingenieure mit dieser neuen Technik, bis etwa 1910 die ersten Amateurstation in Amerika erschienen. In der Londoner Radiokonferenz von 1912 wurde dann den Amateuren die kurzen Wellen, damals unter 300m, zugewiesen, da diese Frequenzen für die kommerziellen Station wegen ihrer geringen Reichweite keine Bedeutung hatten. Übersee- und Weltverkehr war damals Utopie. Erst nach der Erfindung der Elektronenröhre kam man diesem Ziel entscheidend näher, als an der Ostküste der USA Amateurstationen von der 5000 km entfernten Westküste gehört wurden. Das nächste Ziel war die Überbrückung des Atlantiks. Die entscheidende Wende kam 1920, als der amerikanische Funkamateur P. Godley nach Europa kam und mit den neuesten Empfangsanlagen tatsächlich mehrere amerikanische Amateurfunkstationen hörte. 1922 wurden dann auch Signale von europäischen Amateure gehört, nachdem Versuche zu immer kürzeren Wellen führten.

Der wohl wichtigste Tag in der Geschichte des Amateufunks ist wohl der 27. Nov. 1923, an dem eine mehrstündige Funkverbindung zwischen den Stationen 1MO (Fred Schnell in Hartford, USA) und 8AB (Leon Deloy in Nizza, Frankreich) auf einer Wellenlänge von 110 m durchgeführt werden konnte. Im Dezember darauf gelangen Funkverbindungen zwischen England und USA bzw. USA und Holland, im Mai 1924 schliesslich kam es zu der Weitverkehrs-Verbindung USA - Argentinien. Die Krönung gelang schliesslich dem 16-jährihen Schüler C. Goyder durch einen Kontakt mit Frank Bell in Neuseeland. Ab jetzt wurde mit immer kürzeren Wellenlängen experimentiert und bald gab es keine Reichweitenbegrenzung mehr.
Im Gegensatz zu diesen Aktivitäten spielte der Amateurfunk in Deutschland bis 1923 nur eine sehr bescheidene Rolle. Interessierte Amateure mussten sich mit der Beobachtung von Sendungen ausländischer Funkamateure begnügen, den Frequenzzuweisungen bzw. Sendegenehmigungen wurden dem "Gesetz über das Telegrafenwesen des Deutschen Reiches" vom 6.4.1892 entsprechend als nicht mit dem Postmonopol vereinbar bezeichnet.
Selbst der später gegründete DASD (Deutscher Amateur-Sende- und Empfangsdienst) betätigte sich hauptsächlich mit den Empfang, da inzwischen nur wenige Lizenzen an Clubstationen ausgegeben wurde. Erst 1933 wurde eine begrenzte Anzahl von Sendelizenzen erteilt, aber bereits nach Einbruch des Krieges kam jede Amateurfunktätigkeit so gut wie zum erliegen. Lediglich ein paar Funkamateure behielten unter strengen Bestimmungen ihre Sendegenehmigung, bis schlieslich nach Kriegsende ein allgemeines Sendeverbot jeder Aktivität ein Ende bereiteten. Empfänger mit einem zweiten Oszillator für Telegraphieempfang waren verboten, auf den Besitz von Sendern stand die Todesstrafe. Obwohl Vereine zu gründen ebenfalls verboten war, trafen sich trotzdem bereits im Herbst 1945 unabhängig voneinander sowohl in der amerikanischen wie auch in der britischen Zone heimlich alte Funkamateure. Im Raum Stuttgart gab es mehrere aktive Stationen mit Fantasierufzeichen (siehe auch Chronik des Ortsverbandes). Erst am 17.Aug.1946 durfte mit Billigung der Amerikaner der WBRC (Württembergisch-Badischer Radio-Club) gegründet werden, dem dann 1947 weiter Vereine in den anderen Ländern folgten. Am 7. und 8.Juni 1947 wurde die erste Kurzwellentagung nach dem Kriege in Stuutgart durchgeführt und am 14. März 1949 wird endlich das Gesetz über den Amateurfunk verabschiedet und einige hundert Amateurfunkgenehmigungen erteilt. 1950 wird der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) als Dachverband gegründet, dem sich der VFDB (Verband der Funkamateure der Deutschen Bundespost) kooperativ anschliesst.



Amateurfunk einst und jetzt


Als nach Kriegsende Funkamateure in Deutschlad wieder ganz legal ihrem Hobby nachgehen durften, stellte sich das Problem der Gerätebeschaffung. Zwar gab es einzelne Hersteller von Funkgeräten, die mit ihren Gerätepark auch den Amateurfunksegment abdeckte, doch leider konnten sich die wenigsten diese doch immens teuren Geräte leisten. Also blieb nur Eigenbau, wie es auch schon früher üblich war. Der Schritt vom Radiobastler zum Funkgerätebauer war nicht all zu gross, und als wahre Fundgrube erwiesen sich ausrangierte Wehrmachts- und Army-Geräte. Somit standen Bauteilen und Geräte zum Neu- und Umbau zur Verfügung. Die einfachste und sicherste Art der Nachrichtenübermittlung war und ist immer noch die Morse-Telegrafie. Hierbei wird eine Sender mit einer Taste, der sogenannten Morsetaste, im Rhytmus der Zeichen zu- und abgeschaltet. Die Dekodierung der empfangenen Töne übernimmt das menschliche Ohr. Es ist nur eine Sache des Trainings, die Nachrichten im passenden Tempo zu senden und auf der Empfangsseite zu erkennen. Aber es dauerte nicht lange, bis auch Sprache übertragen wurde. Die Amplitude des Sendesignals wurde mit dem Spachsignal moduliert, es entstand die Amplitudenmodulation.  Als es auch noch preiswerte, ausgemusterte Fernschreibmaschinen gab, war der Schritt zur Textübertragung nicht gross. Wetterfaxgeräte, Hellschreiber und lang nachläuchtende Radarbildschirme ermöglichten bereits damal Bildübertragungen. Aber um all diese Gerüte in Betrieb nehmen zu können, musste so mancher Tropfen Schewiss fliesen und zwischendurch ergab sich eine Zwangspause, wenn das Taschengeld zu Ende war und eine neue Röhre fällif war. So ähnlich wie auf diesem Bild sah damals die typische Funkstation eines 'Standard'-Funkamateurs aus. Gleichgültig, ob Kurz- oder Ultrakurzwelle, vor jeder Sendung mussten viele Knöpfe und Schalter in der richtigen Reihenfolge bedient werden, damit auch ein geeignetes Signal die Antenne verliess, ohne dass die Leistungsröhren durchbrannten.


Im Laufe der Zeit erkannte die Industrie diese potentielle Marktlücke, immer mehr preiswerte Geräte bzw. Bausätze wurden angeboten und bald waren die Geräte billiger als entsprechende Eigenfabrikate. Auch hier ermöglichte die moderne Technik durch die Massenproduktion bessere und genauere Geräte, als sie der reine Amateur noch herstellen konnte.  Nichts desto trotz, es gibtb immer noch Nischen, für die keine käüflichen Geräte zur Verfügung stehen. Ist es doch der Einfallsreichtum der Funkamateure, der immer wieder andere Betriebsarten, bessere Übertragungsmöglichkeiten und neue Standards ins Leben ruft. Das alles muss natürlich erst einmal aufgebaut, getestet und beschrieben werden. Der Schwerpunkt des 'Bastelns' verlegte sich daher mehr und mehr auf den Bau von Zusatz- und Messgeräten. Immer beliebter werden kleine, portable Geräte, die den Grossen in nichts nachstanden und trotzdem noch in Eigenleistung gebaut werden können. Nachdem auch im Amateufunk der Computer seinen Siegeszug antrat, wurde der noch bastelnde Funkamateur notgedrungen zum Programmierer. Fast jedes Gerät enthält einen Mikroprozessor zur Bedienung und selbst der PC ist von keiner Funkstation mehr wegzudenken. Logbuchfährung, Steuerung der Geräte und die Verarbeitung der empfangenen und zu sendenden Signale mit ihm ist de fakto Standard.


 

Amateurfunk in der Praxis

So individuell, wie der Mensch ist, so unterschiedlich sind auch die Interessen der Funkamateure. Hier Kurzwelle, dort Ultrakurzwelle, der eine bevorzugt Sprechfunk, der andere schwört auf Tastfunk und für den dritten ist Bildübertragung das 'non plus ultra'. Manche pflegen ein gemütliches Schwäzchen in der allabendlichen Runde gleichgesinnter, während für den 'Contester' der Informatinsaustausch so kurz wie möglich gehalten wird, um recht viele Stationen aus jedem Winkel der Welt in kürzester Zeit erreichen zu können. Aber alle haben eines gemeinsam, die Liebe zum Funk und damit den Reiz, oft schier Unmögliches zu erreichen. Sei es, um mit kleinster Leistung unter Ausnutzung aller von der Natur zur Verfügung gestellten 'Hilfsmitttel' einen Informationsaustausch gerade noch zu bewerkstelligen, oder aber mit entsprechendem technischen Aufwand eine sichere Verbindung aufrecht erhalten zu können, in allem liegt eben die Genugtuung, eben gerade diese Funkverbindung mit eigenen Mitteln, aus eigener Leistung erreicht zu haben.  Dementsprechend unterschiedlich schaut es auch bei den einzelnens OMs aus. Die 'Funkbude' eines Technik-Freaks unterscheidet sich natürlich ganz gewaltig von dem 'Mobilisten', der seinem Hobbby vom KFZ aus nachgeht.
Es war von Anfang an üblich, dass jede Funkverbindung (QSO) zwischen zwei Amateurfunk-Stationen, zumindest wenn man zum ersten Mal in Kontakt kam, durch gegenseitige Zusendung einer Karte (QSL) bestätigt wird.  Die hier abgebildete Karte enthält die Daten des Funkkontaktes, Angaben über den Absender mit einigen Emblemen diverser Funkervereinigungen.
Die Karten werden aus Kostengründen in den einzelnen Ortverbänden gesammelt und über sogenannten QSL-Büros der nationalen Vereine versendet.

Der Besitz dieser 'QSL-Karten' ist für viele Funkamateure von grosser Bedeutung, krönen sie doch gewissermassen seine Tätigkeit und zeigen, mit welchen Ländern schon Kontakt vorhanden war.  Zusätzlich dienen sie noch als Nachweis für die unterschiedlichsten 'Awards' bzw. Diplome, die von vielen Organisationen für besondere Leistungen ausgegen werden.  Eines der ersten, die ein stolzer 'Newcomer' erwerben wird, ist wahrscheinlich das DLD (Deutschland-Diplom), das für die Funkverbindung mit mindestens 100 deutschen DARC-Ortsverbänden ausgegeben wird, oder das WAC (worked all Continents), nachdem es ihm endlich gelungen ist, alle Kontinenten der Erde erreicht zu haben. 

 

 

 

 

 

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